RainBow - Jugendhaus der Stadt Immenstadt :: www.juze-rainbow.de
ONLINE

ONLINE

ONLINE

ONLINE

Radtour 2010 7 Nässe Pässe - Schweiz

RainBow Radtour 2010: 7 NÄSSE PÄSSE

Oder „Über 7 Pässe musst du gehen, Wind und Wetter überstehen!“

Auch bisher waren die RainBow Radtouren schon oft von schlechtem Wetter begleitet. Die 13. Tour jedoch topte aller Regen-Rekorde! Zwei trockene Tage am Anfang, zwei am Ende der Tour, dazwischen lagen acht Tage im Regen, Nebel und Kälte mit hoffnungsvollen blauen kleinen Himmelsfetzen. Wer immer in der 6 köpfigen Radlergruppe so viel angestellt hatte, seine Missetaten wurden von allen mehr als reichlich abgebüsst!

Die 6 „Helden der Passstraße“ fuhren dabei über 7 Alpenpässe, weshalb die Tour den Namen „7 nässe Pässe“ erhielt. Bei der Tour von Immenstadt nach Immenstadt legte die Gruppe, bestehend aus Hannes Weh, Benjamin Burkhard, Stephan Blum, Peter Hopf, Mo Skibba und Stefan Erb 700km mit ca 11.400 Höhenmetern zurück.

Aufgrund des nassen Wetters wurde die Tour gekürzt; die Besichtigung des Rhonegletschers am Furkapass fiel ins Wasser.

Die ganze Tour fand mit Selbstversorgung statt, so dass alle Radler Kocher, Zelt, Isomatte und Schlafsack neben ihren Kleidern und Lebensmittelvorräten mit sich führen mussten. Da kommt schnell ein Gewicht von bis zu 50 KG für ein Fahrrad zusammen.

Der guten Laune tat das missliche Wetter jedoch keinen Abbruch: selten wurde auf einer RainBow-Alpen-Express-Tour, so viel gelacht, gesungen, hervorragend gekocht und gedichtet.

Die Tour-Tage:

 

Montag 9.8.2010

Über Rohrmoos (1100m) nach Götzis, Koblach

Km: 84

Hm: 868

Schnitt: 16,2

Wetter: Sonnig mit kaltem Wind

Essen: Eintopf mit gemischtem Salat

Bericht von: Peter

 

Der Tag begann mit einem guten Frühstück beim Stefan zu Hause schon um 8 Uhr. Wir bepackten unsere Fahrräder und unterhielten uns über die Tour. Dann ging es auf die Waage:

Held

Sein Gewicht

Rad mit Gepäck

Gesamt

Hannes

62

36

98

Benni

75

42

117

Peter

70

39

109

Mo

65

31

96

Banni

76

50

126

Stephan konnte leider nicht mitwiegen, weil er erst am Mittwoch nachkam.

Um 10Uhr gings los, wir fuhren über den Illerdamm bis kurz vor Oberstdorf und dann weiter Richtung Rohrmoos. Dort riefen uns Mountainbiker zu: „Herrgott, händ ihr aufglaade!“ und es erwartete uns eine harte Steigung, die jedoch ohne große Mühe zu bewältigen war. Oben angekommen gab es Brotzeit, die lecker schmeckte. Danach ging es weiter Richtung Dornbirn. Dazwischen lag noch eine Steigung, belohnt von einer flotten Abfahrt ins Rheintal fuhren wir noch bis Götzis, wo Banni einen guten Platz bei einem Klettergarten wusste. Davor gings noch zum Einhaufen um die Zutaten für unser erstes Menü zu besorgen.

 

radtour_2010_HP_001.jpgradtour_2010_HP_002.jpgradtour_2010_HP_003.jpg

Dienstag 10.8. 2010

Über Rheindamm, Luzisteig (713m) und Chur nach Reichenau

Km: 82

Hm: 698

Schnitt: 17,1

Wetter: Durchwachsen

Essen: Spaghetti AgloOlio con Rüble mit Tomate-Mozarella-Basilikum-Salat

Bericht von: Hannes

 

Die zweite Etappe führte uns von Götzis nach Chur über den Luzi-Steig, an dem sich die Meinungen scheiden ob das überhaupt ein Pass ist. Wir frühstückten an dem Platz an der Kletterwand, der uns von früheren Touren schon bekannt war und sahen den Kletterern beim Kraxeln zu. Benni vergisst seine ausklappbare Spülschüssel dort, merkt es aber zu spät: wir sind schon unterwegs auf dem Rheindamm – später erfahren wir, dass das gar nicht der Rhein war. Schließlich finden wir die richtige Richtung und fahren auf einem Radweg im Zick-Zack-Kurs zum Luzi-Steig. Auch wenn er nicht wie ein Pass aussieht, fordert es doch einige Anstrengung die langgezogene und stetig ansteigende Straße hinauf zu strampeln. Etwas Abwechslung bietet eine Militär-Kaserne, die noch in Betrieb ist und durch die der Luzi-Steig mittendurch führt. Oben angekommen ist es endlich Brot Zeit, doch wir finden keinen passenden Platz an einem Bach. Die sonst so malerische Abfahrt durch die Weinberge nach Flash wird etwas durch den Hunger versaut. Nach etwas Diskussion geben wir uns mit einem Plätzchen ohne Bach zufrieden.

Die Weiterfahrt Richtung Chur entlang der Hauptstraße verläuft ohne große Zwischenfälle und wir können rechtzeitig einkaufen und begeben uns schließlich auf die Suche nach einen Bahnhof, hinter dem unser Schlafplatz für die Nacht sein soll. Wir finden ihn und tragen unsere Räder mit vereinten Kräften durch die Bahnhofsunterführung.

Die Wiese zum zelten dahinter hat alles was der Radtour-Radler braucht: und das ist ein Fluss!

Nach dem Essen beschäftigen uns schwerwiegende weltpolitische Fragen wie z.B. ob die Buddhisten nicht mindestens einmal in der Geschichte Krieg geführt haben....

Zum schlafen bauen wir die sensationelle Zelt-Tarp-Konstruktion, (noch mit zwei Zelten) doch das befürchtete Gewitter bleibt (erst mal) aus.

 

radtour_2010_HP_004.jpg

Mittwoch 11.8.2010

Nach Sedrun (vor Oberalppass)

Km: 70,35

Hm: 1207

Schnitt: 13,7

Wetter: Tags bewölkt, Nachts Regen

Essen: Gorgonzola Nudeln mit gemischtem Salat

Bericht von: Mo

 

(der dritte Tag: bzw. heut ist schon der vierte Tag in der früh um 7Uhr. Sitzend bei einer Tasse Kamillentee mit Ingwer genieße ich die frühe ruhige Morgennatur. Die anderen schlafen noch):

Mann war das gestern anstrengend! Es ging fast nur bergauf, bis wir dann schließlich nach 6 Stunden Fahrzeit total erschöpft die letzten offnen Minuten eines kleinen Ladens erwischen konnten, um noch Wein, Nudeln, Gorgonzola und fürs Frühstück einzukaufen. Ein Gewitter braute sich zusammen und kam immer näher. Es dauert nicht mehr lange, bis ganze Ozeane vom Himmel fallen werden, das war jedem klar. Darum galt es, einen geeigneten Schlafplatz zu finden.

Noch im selben Ort geben sich kleine Schilder zu erkennen: „Campingplatz mit Feuerstelle“. Ein paar Meter steil bergrunter zum Fluß. Die Finanzen waren mit dem Aufseher schnell abgecheckt (Er kam aus Hindelang....) und wir konnten die Zelte im Nieselregen aufstellen. Eine warme Dusche und eine echte Toilette waren auch vorhanden: echter Luxus hier.

Stephan kam an, gelotst von Bannis Handyanrufen. Sein Vater hat ihn mit samt seinem Rad und Gepäck mit dem Auto hergefahren, weil er bis heute auf einem Kurs war. Er brachte auch endlich die Gitarre mit!

Die Gorgonzola-Nudeln haben nach so einem Tag herrlich geschmeckt. Dieser Abend wurde ein reiner Konzertabend. Von Hendrix bis Wader, von Dylan bis Beatles haben wir die Bude, oder das Zelt gerockt.

Im Hinterher: ein schöner Tag!

 

radtour_2010_HP_005.jpgradtour_2010_HP_006.jpg

Donnerstag 12.8.2010

Über Oberalppass (2044m) nach Hospental (bei Andermatt)

Km: 26,5

Hm: 712

Schnitt: 11,3

Wetter: Regen

Essen: Raclette mit Salat

Bericht von: Benni

 

Der Tag beginnt wie meist: mit einer sehr optimistischen Wetterprognose von Banni, der uns sofort seinen Lieblingsvorschlag unterbreitet: „Lasst uns fahren, das Wetter hält.“ Siehe da, kaum sind die Zelte abgebaut, beginnt es zu regnen. Wieder aufbauen? Niemals!

Der Oberalp wird in Angriff genommen, zieht sich allerdings. Auch oben erwartet uns, wie sollte es anders sein, schlechtes Wetter. Die Abfahrt gestaltet sich nass und neblig, auch Andermatt scheint ein großes Freibad zu sein. In der Not kaufe ich eine Campinggas-Laterne, sie soll abends Licht und Wärme liefern, wir fahren bis Hospental und finden einen Bauern, der uns gnädigerweise seine Wiese zur Verfügung stellt. Wir bauen im Regen auf: Die Zelt-Tarp-Konstruktionl wird vorne geschlossen, so dass es im Inneren angenehm warm wird. Endlich beginnt der gemütliche Teil des Tages: es gibt Raclette, Wein und Gesang!

 

radtour_2010_HP_007.jpgradtour_2010_HP_008.jpgradtour_2010_HP_009.jpg

 

Freitag 13.8.2010

Über San Gotthard Pass (2109m) nach Fontana (bei Ariolo)

 Km: 32,17

 Hm: 809

 Schnitt: 11,7

 Wetter, kalt, Regen, Niesel, Sonne, Nebel, Wind

 Essen: kann mich nicht mehr erinnern

Bericht von: Banni

 

Am Abend vorher planten wir für heute einen Off-Day ein, denn eine Frau in Hospental sagte: „S´Weattr bliibt schläacht, gloob i, zerscht am Samschtig wirds bässr, gloob i!“.

Um halb sieben schaute ich vorsichtig aus dem Zelt und musste bemerkten, dass sie recht hatte und es draußen genau so bescheiden ausschaut wie am Abend zuvor. Also wieder in den Schlafsack und noch eine Runde geschnarchelt. Ist ja eigentlich auch klar: Wir haben heute Freitag den 13. auf der 13. Tour. Aber: Doppel13 müsste eigentlich Glück bringen....

Als ich wieder aufwache blinzelt mich zaghaft, durch drei Wolkenschichten, die Sonne an und huscht aber gleich wieder verschreckt hinter eine dicke Wolkenkuh: das kann nur Gutes bedeuten!

Sofort wecke ich alle: „Auf gehts über den Gotthard, den fand sogar Gott hart, da kommt sein Name her, oder wars von Karel Gott, der so gnadenlos singt?“ Das hält keiner aus und alle knallen aus ihren Schlafsäcken...mit schönem Frühstück und munterem Packen dauert unser Aufbruch immer mindestens drei Stunden...Punkt zwölf fängt es mit unserem Aufbruch an zu nieseln.

Stephan bemerkt: „Ah Bahnhof heißt hier Hospental!“, weil so ein Schild am Bahnhof hängt aber ich nehm ihm die Illusion und sage, dass das der Ortsname sei...

Nach der ersten steilen Rampe verlieren wir Hospental aus den Augen, weil wir in ein Hochtal einbiegen und die Sonne bricht aus allen Wolken! Der Aufstieg wird heiß mit schöner Aussicht bis ich zur Abzweigung auf die alte Passtraße komme: Das Thermometer fällt rapide, die Sonne hat sich ängstlich versteckt, dafür rückt der Regen an. Macht nichts, die Straße mit Kopfsteinpflaster ist unheimlich schön in die Landschaft gebettet so dass die Passhöhe bald erreicht ist.

Oben auf die anderen warten, warm anziehen, Handschuhe drüber und ab gehts über fantastische Serpentinen und Kopfsteinpflaster durch das Tal des Zitterns (Val de Tremola) hinunter nach Ariolo.

Einkaufen, Stephan hat einen Platten, Brotzeit und weiter gehts Richtung Nufenen. (Ursprünglich wollten wir beide Pässe an einem Tag fahren um Zeit für den Furka mit Rhone-Gletscher zu gewinnen – das Wetter hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir sind viel zu spät dran.) Oh Oh, der Himmel verdüstert sich schon wieder...

...und kaum 10km weiter regnets. Gott sei dank waren all unsere Sachen während der Brotzeit getrocknet, da können sie wieder ausgiebig Wasser aufnehmen....

Wir finden einen schönen Platz neben einem Schießplatz, die es überall in der Schweiz gibt. Wieder ein Zelt-Tarp-Aufbau im Regen, der aber jedes Mal eine Stufe verfeinert wird: uns Lager wird immer gemütlicher.

Stephan muss noch seinen zweiten Platten flicken und in der Nacht dichten wir das ekstatische RadlerGebet. (Siehe Kasten)

 

 

Kasten:

Radlergebet

Die Welt ist voller Skandale

Manche küssen sich viele Male

Manche Völker hören die Signale

Und wir treten in die Pedale!

 

Vitale Senioren machen Randale

Regale stehen voll in der Filiale

Loyale Hostessen lieben die Horizontale

Und wir treten in die Pedale

 

„Achtung Achtung hier spricht die Zentrale:

Ärger gibts mit kahle Radikale,

die Opfer bitte in die Spitale!“

Aber wir treten in die Pedale

 

Fatale Priester denken ans Genitale

Und beichten das ihrem Kardinale

Geniale Kletterer lieben das Vertikale

Und wir treten in die Pedale.

 

Es gibt Rituale am Marterpfahle

Brutale Sitten beim Finale

Und sind wir ganz oben fahrn wir mit Vollgas ins Tale

Und brauchen dazu keine Pedale!


(Wird noch fortgesetzt)

 

radtour_2010_HP_011.jpgradtour_2010_HP_012.jpgradtour_2010_HP_014.jpg

Samstag 14.8.2010

Über NufenenPass (2478m) nach Oberwald

Km: 40

Hm: 1243

Schnitt: 11

Wetter: Regen, Regen und Regen

Essen: Wir gehen Essen, es gibt Schnitzel und Fondüüü!

Bericht von: Stephan

 

Als wir aufwachten erwartete uns ein weiß-grauer Wolkenhimmel! Lediglich ein kleiner Fleck blauer Himmel war zu sehen. Naja... was tut man bei einem für uns „schönen“ Wetter? Man fährt den Nufenenpass rauf! Wir packten unsere Zelte zusammen, verließen unseren gut getarnten Platz neben dem Schießstand und machten uns auf die nassen Socken. Dieses Mal war unser Aufbruch Rekordzeit! Um genau 12:30 fuhren wir unsere ersten Meter! Wie sagt man so schön: In der Ruhe liegt die Kraft.

Das nahmen wir sehr wörtlich. Vor uns lagen 1200 Höhenmeter zu bewältigen. Der Nufenenpass machte uns das Leben schwer. Nuff ging’s schleppend. Ich war halbwegs ermuntert, da mein Vorderrad aufgrund des Platten zu halten schien. Als wir schon beinahe die Passhöhe erreichten, hatte der Pass eine kleine Überraschung für uns: 6°C Lufttemperatur, Nebel, starker Regen und ein leichter ekelhafter Wind. Was will man mehr?! Wir quälten uns teilweise laut fluchend hinauf!

Oben angekommen erwartete uns eine Sportwagenkolonne. Das war uns natürlich „wurscht“. Unsere Fahrräder sehen besser aus. Da die äußeren Umstände etwas hart waren, hockten wir uns ins Restaurant auf der Passhöhe zum Aufwärmen und Auftanken. Nach einer Weile tuckerten schon die anderen an und wir erhöhten den Umsatz des Restaurants. Einer fehlte noch. Peter war nicht da. Er war auch noch nicht nach einer Stunde da. Banni fing langsam an sich Sorgen zu machen. Doch nach einer Weile kam er (ich zitiere:)„nass, müde, hungrig aber glücklich“ an. Wir gönnten ihm nur eine kurze Pause, denn das Passfoto wartete auf uns. Es ist zwar aufgrund des Regens und des Nebels nichts zu erkennen...aber wird trotzdem eine schöne Erinnerung bleiben! Die Erinnerung hat sich sozusagen in unserem Gehirn „eingefroren“.

Normalerweise freu ich mich immer auf Passabfahrten. Dieses mal war es die Hölle. Hannes und ich mussten mit kurzen Hosen herunterfahren, während alle anderen Regenhosen hatten. Spitze!! Auch das ging vorbei.

Als wir alle komplett durchnässt unten ankamen, suchten wir sofort ein Matratzenlager oder auch „Touristenlager“ auf. Notgezwungen bezahlten wir die 20 Franken/Person. Das war früher mal viel billiger!! Es gab sogar kalte Duschen! Dieses Angebot nutzten wir natürlich.

Gegen Abend suchten wir uns ein etwas billigeres Restaurant auf. Wir aßen Fondue, Pommes, Würste,.. . Schwer gesättigt beschlossen wir das daneben liegende Dorffest zu besuchen. Der Anlass war die Eröffnung der neuen Furka-Dampfeisenbahn. Als wir hineinstrahlten sahen wir ein eintöniges Publikum. Wir senkten das Durchschnittsalter um 50 Jahre. Es gab sogar Live-Musik!! Schlager!! ..Ein Bier für 4 Franken und nichts wie weg!

Schwer geschockt gingen wir zurück zu den gelagerten Touristen. Dort verbrachten wir nach unserem Geschmack den Abend. Gitarre darf natürlich nicht fehlen und Benni las aus seinem Max Frisch, ach ich meine Max Gold vor. Dies war ein ereignisreicher Tag und ich werde mich gerne daran zurückerinnern.

 

radtour_2010_HP_016.jpgradtour_2010_HP_018.jpgradtour_2010_HP_019.jpg

Sonntag 15.8.2010

Über Grimselpass (2165m) nach Wyler bei Innertkirchen

Km: 44

Hm: 1010

Schnitt: 13,6

Wetter: oben Neuschnee, Regen, kalt

Essen: Fertigessen mit Grillwurscht und Freibier...

Bericht von: Banni

 

Seltsames Gefühl: Aufwachen im Bett. Die Nacht war fantastisch weich, aber viel zu warm. Nur ein hässliches Geräusch dringt in mein Bewusstsein: draußen regnets. Vielleicht nur ein Traum und es ist trocken wen ich aufwache?

Neues Geräusch weckt mich: unglaublich: der Fahrradladen gegenüber öffnet auch am Sonntag! Da kann ich ja die Bremsen für Hannes Rad kaufen. Hannes ist Bergrauf genau so schnell wie runter – deshalb sind seine Bremsen komplett weg. Schnell gehe ich Duschen – aaahhh heißes Wasser!

Bremse gekauft, eingebaut und dabei mit 16 anderen Radlern geredet, die das Wetter auch, wie uns in das Matrazenlager getrieben hat. Sie wollen heute über den Nufenen, wo wir herkommen. Oben sind die Berge schneeweiß, das Wetter soll aber besser werden, heißts...

In unserem Lager pennen noch alle und die Luft ist trotz offenem Fenster zum schneiden, woher das wohl kommt...Ich haue alle aus den Federn.

Nach Frühstück und Pack-Ritual brechen wir nach Mittag auf, sofort zieht uns die Straße nach oben.

Wir kommen um eine Kante und können den steilen Hang zum Grimsel Pass in seiner ganzen Höhe vor uns sehen. Peter bleibt stehen: „Mir wird schlecht!“ Hannes ist begeistert...

Bei der Auffahrt nach Gletsch können wir die neu eingeweihte Strecke der Furka Dampfeisenbahn bewundern, der Zug war fast so schnell wie wir... Peter war paralysiert und schaute eine halbe Stunde lang zu!

Den steilen Hang nehmen wir im Regen um oben in dichten Nebel mit Null Metern Sicht anzukommen. Alle sind wieder bis auf die Unterhose nass. Das alles nervt zwar, hat aber auch seinen eigenen ganz besonderen Reiz. Es ist ganz erstaunlich: auch bei widrigsten Umständen macht radeln über die Pässe glücklich und hinter dem Schleier lässt sich eine fantastische Landschaft erahnen: graugrüne Felsen, schroffe Hänge...

Es gibt im Passhotel ein Superessen mit richtig freundlicher Bedienung.

Die Abfahrt wird zur Besonderen Prüfung: Regen prasselt schmerzhaft ins Gesicht, eisiger Gegenwind bei 4 Grad (immerhin) plus.

In Innertkirchen biegen wir zum Sustenpass ab, steigen noch 200 Höhenmeter und finden einen wunderschönen, versteckten Platz. Doch was ist das? Zwischen den Bäumen leuchtet zart die Abendsonne und ein Mann kommt vorbei und bringt uns heißes Wasser zum waschen und kühles Bier. Kurz darauf kommt er nochmals mit einem Futterpacket und meint: „Meine Frau schickt mich mit dem hier:“ und gibt uns Brot, Wurst und Käs.

Wir finden auch noch trockenes Holz und beim 1. Lagerfeuer der Tour überlegen wir, dass das typisch ist: der Mann bringt das Trinken, die Frau das Essen.

Genug vom Paradies: zarte Tropfen löschen unser Feuer, ab ins Zelt und wie jeden Abend liest uns Benni aus Max Gold: „Ein Buch namens Zimbo“ vor....

 

radtour_2010_HP_021.jpgradtour_2010_HP_022.jpgradtour_2010_HP_024.jpg

Montag 16.8.2010

OffDay

Km: 9

Hm: 217

Wetter: Regen ohne Gnade

Essen: Omlett nach eigenem Gusto mit Pilzen und Salat der Region

Bericht von: Hannes

 

Auch der nette Schweizer, der uns an unserem Zeltlager mit Bier, Brot und Wasser versorgte prophezeite schönes Wetter für diesen Montag. Aber als wir aufwachen regnet es wie immer. Wir sind nun eine Woche unterwegs fast ohne einen trockenen Tag und wir sind uns einig, dass es so nicht weitergehen kann. Es muss etwas passieren und das ist ein OFF DAY! Die für 12 Tage geplante Tour wird damit um einen Tag länger. (Wurde sie aber nicht, weil wir dafür Furkapass mit Rhonegletscher und Appenzell ausgelassen haben.)

Bald an diesem Morgen besucht uns der Schweizer Wettergott noch einmal mit der Nachricht, dass auf dem Sustenpass Schnee gefallen ist.

Wir nützen den Vormittag zum Einkaufen. In unserer Gourmet-Küche ist für diesen Abend Omlett geplant. Stephan findet hierfür auch noch eine große Portion Parasol und Steinpilze im Wald. Alle sind froh über den Off-day. Man kann ausschlafen, die Umgebung anschauen oder sonst was machen. Benni macht das Lagerfeuer für den Abend schon am Nachmittag und dank eines Survival-Tricks konserviert er es bis Abends. Dieser Abend wird der längste und lauteste Liederabend überhaupt, wahrscheinlich weil niemand von einem langen Radlertag geschafft ist.

 

radtour_2010_HP_025.jpg

Dienstag 17.8.2010

Über Sustenpass (2224m) nach Altdorf

Km: 69

Hm: 1483

Schnitt: 13,6

Wetter: soll trocken werden, wird es aber nicht!

Essen: irgendwas mit Nudeln und Salat?

Bericht von: Stephan

 

An diesem wunderschönen verregneten Tag stand uns der Sustenpass bevor. Ich fühlte mich leider etwas schlecht, da ich leicht erkältet war. Das hemmte nicht meine Leistung, sondern mein Wohlbefinden. Unser Samariter besuchte uns am Morgen und teilte uns mit, dass die nächsten Tage schön werden sollen. Irgendwoher kenn ich das. Der Wohltäter nahm sogar unseren Müll mit und wünschte uns viel Erfolg. Wir hinterließen ihm und dem „Holzbringer“ ein kleines Dankschreiben.

Um 12.00 waren wir startklar. 1400 Höhenmeter warteten nur darauf von uns bezwungen zu werden.

Am Anfang ging es leicht steigend hoch... kein Problem. Es wurde immer steiler und steiler. Hannes Fahrweise geht in etwa so: je steiler es wird, desto schneller wird er. Nach einer Weile verloren wir ihn aus den Augen.

Peter fuhr dieses mal auch sehr schnell. Doch als uns eine lange, nicht endende steile Straße Richtung Passhöhe bevorstand, verließ ihn die Moral und er ließ stark nach. Kurz vorm kapitulieren überholte ihn Banni und machte ihm neuen Mut. Das wirkte anscheinend! Plötzlich trat er in die Pedale, was das Zeug hielt. Er kam direkt nach mir als Dritter auf dem Pass an. Sofort gingen wir ins Restaurant um den Passaufkleber zu kaufen. Der darf natürlich nicht fehlen. Bei 1400 bezwungenen Höhenmetern hat man den sich auf jeden Fall verdient. Auch in diesem Restaurant steigerten wir den Umsatz. Brotzeit fiel aus, da das Wetter nicht mitspielte. Als alle da waren, machten wir noch schnell das Passfoto als Beweis für die Bezwingung des Sustenpasses.

Nun stand uns eine 1700 Höhenmeter lange Abfahrt bevor, die wir leider ebenfalls nicht genießen konnten, da der Regen unser Wohlbefinden verringerte. Wir stießen vor bis nach Altdorf. Dort campierten wir auf einer „Wohnwagenabstellwiese“. Ein freundlicher Anwohner gewährte es uns. Sonst hätten wir keine Aussichten auf einen Zeltplatz gehabt. Nebenan war ein Fußballfeld, an dem ein Frauenfußballclub spielte.

Ein älterer Mann erlaubte uns bei seinem Haus die schmutzige Arbeitertoilette zu benutzen. Da war nur ein Problem: Sie war verschlossen. So mussten wir „improvisieren“. Mit gutem Essen ließen wir den Tag ausklingen und bereiteten uns auf den darauf folgenden Tag vor. An diesem Abend war jeder sehr müde. Am nächsten Tag wartet der Klausenpass, welcher noch härter sein soll wie der Sustenpass. Für mich war es ein sehr anstrengender Tag, da die Erkältung an meiner Kraft zehrte.

 

radtour_2010_HP_026.jpgradtour_2010_HP_027.jpg

Mitwoch 18.8.2010

Über Klausenpass (1952m) nach Walensee

Km: 79

Hm: 1552

Schnitt: 13,3

Wetter: feucht bewölkt

Essen: Fertigfrass mit Grillfleisch und variationsreichem Salat

Bericht von: Peter

 

Der Tag beginnt mit Frühstück um Neun, heute so früh, weil unser Gastgeber bis 11Uhr den Rasen mähen will auf dem wir zelten. Das Klo ist zum Glück aufgesperrt, stinkt aber zum Himmel. Zum Packen unterhält uns ein eigenartiger Mensch, den wir Holzmichel taufen und an dem wir gut sehen können wie wir werden, wenn wir zuviel saufen.

Der Weg zum Klausenpass besteht fast nur aus steilen Gegenden: die Straße und die Landschaft. Die Schulkinder gingen gerade nach Hause, überholten uns zu Fuß, stiegen links und rechts der Straße in kleine Gondeln und fuhren damit zu ihren Wohnhäusern hoch.

Es gibt aber auch flachere Stellen, wo man gut die Landschaft bewundern konnte. Weil sonst nichts war wage ich zu schreiben, dass ich auf der Straße von einer Kuh angefallen und belästigt wurde.

Obwohl der Klausenpass nicht der Höchste unserer Tour ist, mussten wir doch die meisten Höhenmeter raufspulen. Und die Abfahrt war natürlich toll.

Nachdem wir einkaufen waren, fuhren wir bis zum Walensee. Gerade waren wir an einem schönen Platz daran unsere Zelte aufzubauen, als uns der Campingplatzbesitzer in die Quere kam: wir mussten auf den Zeltplatz, der sehr teuer war, dafür kostete das Duschen nochmals 10Franken extra! Da blieben wir lieber dreckig!

 

radtour_2010_HP_028.jpgradtour_2010_HP_029.jpgradtour_2010_HP_030.jpg

Donnerstag 19.8.2010

Über Sargans und Rheindamm nach Götzis, Koblach

Km: 79

Hm: 277

Schnitt: 19,3

Wetter: ganze Nacht lauter Regen, dann trocken bewölkt, Sonne?

Essen: Resteverwertung mit Grillfleisch und buntem Salat

Bericht von: Mo

 

Nachdem wir auf dem total überteuerten Campingplatz übernachten mussten, weil es schon so spät war, es schon dunkel wurde und sich in der Nähe kein geeigneter Lagerplatz finden lies, ging es dann am nächsten „Morgen“ auch gleich halbwegs früh wieder weiter. Es dauert immer eine halbe Ewigkeit bis wir mal aus den Federn kommen, dann in Zeitlupe gefrühstückt, das Geschirr von Gestern noch gespült und alle ihre 7 bis 24 Sachen an den Fahrrädern befestigt haben. Darum beginnen unsere Tagesetappen meistens erst zwischen 11:15 und 12:15.

Es hatte wieder einmal die ganze Nacht geregnet. Der Regen prasselte so laut auf das gespannte Tarp, dass ich in der Nacht viel Zeit hatte, dem Regen zu lauschen und mir ein paar Gedanken zu machen.

Zum Glück war in der Frühe wieder schönes Wetter: das heißt, es regnete nicht. Noch kurz eine kleine Morgenerfrischung im See holen und los gehts. Zuerst 20km auf einem Radweg am See entlang mit der steilsten Rampe der ganzen Tour: 25%!!

Ab Sargans ging es immer am Rhein entlang, das war sehr entspannt und flach. Wir hatten zwar etwas Gegenwind, aber dank der Kreisel-Windschatten-Technik konnten wir mit 25 Sachen rasen, was aber gar nicht so viel gebracht hat, weil wir in Vaduz, der Landeshauptstadt von Lichtenstein, noch unsere letzten Franken loswerden mussten, also ein letztes Mal hungrig fett Brotzeit einkaufen und dann Pause mit Nachmittagsschläfchen machen.

Letztendlich kamen wir dann gar nicht so weit, wie wir für den Tag geplant hatten und übernachteten lustigerweise in der letzten Nacht am selben Ort, wie in der ersten Nacht. Diesmal dafür mit Lagerfeuer, Wein und Gesang!

 

radtour_2010_HP_031.jpgradtour_2010_HP_032.jpgradtour_2010_HP_033.jpg

Freitag 20.8.2010

Über Riedbergpass (1420m) nach Hause

Km: 83

Hm: 1320

Schnitt: 14,6

Wetter: heiße Sonne

Bericht von: Benni

 

Der Freitag begann mit einem gemütlichen Frühstück unter Bäumen...wir waren voll der Hoffnung doch noch einen wirklichen schönen Tourtag zu erleben. Nachdem wir dank Kreiselfahren eher rollend als tretend in Dornbirn angekommen waren und uns in den ersten Anstieg nach Alberschwende warfen, bemerkten wir das wohl Petrus sich schuldig fühlte und uns alle Wärme der letzten Tage auf einen Schlag nachlieferte: es war brüllend heiß! (Max Goldt wird mich dafür hassen, ich weiß ja selbst das Hitze nicht brüllen kann! Wenigstens tost sie nicht wie die Stille!).

Nach dem ersten Anstieg war ein eindeutiger Leistungsverlust bei den meisten feststellbar... die Hitze saugte einem jedes Körnchen Kraft aus den Beinen... das war Radsport für Profis und oder radsportbegeisterte Beduinen.

Nachdem in Alberschwende der erste kleine Berg zu Ende war wurde uns bewusst, was noch kommen würde. Der Weg nach Hittisau gestaltete sich ähnlich quälend, bevor dort eine kleine Pause eingelegt werden konnte. Zu unsrem Verdruss freute sich die Flora des Hittisauer Dorfbrunnens über die Hitze und begrüßte uns mit einem zwar sicherlich weichen, aber nicht appetitlichen Algenteppich und so musste der örtliche Supermarkt für Erfrischung sorgen.

Hatte sich die Gruppe bereits in Alberschwende weit auseinander gezogen, so traf man sich in Balderschwang nochmals um sich abermals abzukühlen und schließlich die 4 Höllenkilometer auf den Riedbergpass fast gemeinsam anzugehen... eine letzte persönliche Herausforderung...ein wie ich meine gelungenes Finale für eine tolle Tour.

Nach einer üppigen Brotzeit gabs noch ein letztes Mal Geschwindigkeitsrausch auf der Abfahrt und auf dem Illerdamm bevor man schließlich in Sonthofen bei Banni, nach der Schlußwägung auseinander ging...(Wir waren alle ein kleines bisschen leichter)

 

radtour_2010_HP_034.jpg

...um sich am nächsten Abend frisch gebadet und rasiert beim legendären Tourabschluß mit Kässpatzen im RainBow zu treffen. Nach fürstlichem Geschlemme wurde noch mals ausgiebigst gesungen, diesmal mit den richtigen Texten, da Banni sein gesamtes Liedgut dabei hatte.

Alle wollen nächstes Jahr wieder mit: (Vielleicht nach Venedig zur Bienale): Hoffentlich gibt es dann auch einen Sternenhimmel zu sehen, denn das war das einige, was dieser Tour fehlte...

 

(c) Copyright by RainBow Immenstadt. All rights reserved.
Impressum :: Disclaimer :: Sitemap