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Rodeln 2004

Ein Hoch auf die Spatzen ...


…aber sie könnten ruhig ein bisschen tiefer fliegen. Wie jedes Jahr gabs für alle Mitarbeiter des Jugendhauses das traditionelle Kässpatzenessen in der Gletscherspalte. Ich weiß eigentlich gar nicht warum ich darüber schreiben soll, da ich mich doch sowieso an gar nichts erinnern kann, weil ich zuviel hochprozentige Spatzen erwischt habe. Aber ich versuche meine umnebelten Gedanken zu ordnen.

Es begann damit wie in jedem Jahr mit absolutem Chaos; keiner ist pünktlich (keiner? oder nur einer? nämlich ich!), wer muss fahren oder abgeholt werden?, hat jeder einen Schlitten?, wo gehen wir überhaupt hin?, wie, Kässpatzen? ich bin doch Vegetarier!, wie, da kann man nicht hinfahren?, ach so das mit dem Essen war heute…
Nachdem dies alles geklärt war, konnten wir diesmal einigermaßen früh losfahren. Am Parkplatz vor dem Aufstieg mussten wir bloß noch auf den Bunnie warten (wann muss man das nicht?).

Moment mal, jetzt meldet sich der Banni persönlich! Zum einen musste man auf mich nur warten, weil niemand anderer die fehlenden Leute abholen wollte, obwohl ich jeden gefragt habe, weil ich ja gewusst habe, dass ich als letzter fahre, weil ich ja die Tür zusperren musste, weil ich ja sonst zu spät kommen könnte!
Zum anderen geht das zum Beispiel so: wir siedeln – Telefon – für mich: Eine Band, Demo schon gehört, Termin ausmachen, Gage aushandelt, Anlage buchen, gibt ein Superkonzert, alles klar – auf dem Weg zum Siedlertisch kleine Streiterei zwischen zwei lieben Menschen schlichten, wieder Anruf: und ich muss jemanden von der Verwaltung das System der offenen Jugendarbeit beschrieben, dann dem Basti erklären wohin das Holz geräumt werden muss, aus dem Klo schießt inzwischen eine Wasserfontaine, weil wieder einer Klopapier reingestopft hat – kurz die Überschwemmung wegwischen, dazwischen noch die BOW fertigschreiben, weil der hochgeschätzte Layouter alles Material braucht, gestern schon gebraucht hätte, ach ja im Jahresbericht noch eine Seite einfügen, im Probekeller ist währenddessen die Revolution ausgebrochen: das Murren und Maulen der Asseln niederringen, nebenher die Welt mit Arni retten und ein Zeitungsinterview zum Thema „Stressabbau und Prävention“ geben, jemand, der es ganz eilig hat Siebdruck erklären, Geld von der Theke wechseln, den Videofilm fertig schneiden helfen, ein Fenster öffnen, weils so stinkt, das Discokabinett aufschließen, weil einer was drin vergessen hat, den Besen Olga geben, damit sie ihre zerbrochene Flasche aufkehrt, ein Fenster schließen, wegen der Lautstärke und mit einer knappen Diskussion über die Höhe der Eintrittspreise klar machen, dass wir die billigsten sind, Thomas will fotokopieren, Beani braucht den Proberaumschlüssel, Lukki eine CD und Jessie Trost, kaputte Birne auswechseln, ein runtergefallenes Bild wieder aufhängen um dann knappe 30 Sekunden später wieder am Siedlertisch versuchen, Lehm für Weizen zu tauschen, wo es dann heißt: Der Bannie braucht immer so lang!
Aber ich weiß: Alle halten ihr Anliegen für das wichtigste und ich weiß: das stimmt. Und nur ich weiß: Ich habe gutes getan, denn alles will am Laufen gehalten werden und jeder lebt in seiner eigenen Welt und das ist die GANZE Wahrheit.


Der musste noch gewisse Leute einsammeln (sagte ich ja gerade). Währenddessen vertrieben wir unsere Zeit, indem sich alle Wagemutigen von Chris‘ Auto abschleppen ließen (natürlich nicht im Auto sondern aufm Schlitten).
Als dann endlich alle da waren, rief dann auch schon der Berg und es ging los. Unser Ziel war diesmal, ohne Sauerstoffgeräte, einheimische Lastenkühe, die bisher immer unsere tonnenschwere Ausrüstung (Schlitten, SNS (SchlittenNavigationsSystem), Müsliriegel und Hustenbonbons) getragen haben und diverse direkt aus Nepal eingeflogene Sherpas auszukommen. Ein Eintrag ins Guinness Buch wäre uns damit sicher gewesen, deswegen konnten wir einem österreichischen Expeditionsteam, die ihre Lastenkühe in einem Schneesturm verloren hatten und nun keine Müsliriegel und Hustenbonbons mehr hatten, leider nicht helfen und mussten sie sterbend zurück lassen. Der Berg kann sehr grausam sein aber wir mussten unsere Kräfte sparen, denn der Weg war noch lang und wenn wir zu spät kämen, gäbe es nur noch kalte Kässpatzen und das wollte ja keiner. Deshalb konzentrierten wir uns wieder auf den Aufstieg und versuchten die Hilfeschreie der Österreicher zu überhören, indem wir fröhlich vor uns her sangen.
Mit allen psychologischen Tricks versuchten wir den Berg zu überlisten. „Nach der nächsten Kurve bin ich mir absolut sicher, dass wir die Gletscherspalte sehen können“ diese Behauptung wurde gleich zu Beginn aufgestellt (Höhenkrankheit!!) und bewahrheitete sich leider erst nach etwa der siebenundzwanzigsten Kurve.
Die letzten Höhenmeter konnten wir nur noch sehr langsam laufen, da uns der geringe Sauerstoffgehalt sehr zu schaffen machte. Einige von uns hatten die üblichen Halluzinationen und Wahnvorstellungen (sie sahen entweder R. Messner, das berüchtigte Alpenmammut oder menschenfressende Riesenameisen), was aber bei solch Extremtouren völlig normal ist.
Trotzdem schafften es alle zur Gletscherspalte (lebend!), Herr Messner wäre vor Neid erblasst. So nun konnten wir uns hemmungslos der Kässpatzenorgie hingeben. Gnadenlos vernichteten wir sie. Keiner hatte eine Chance auf ein spatzenwürdiges Ableben. Einige unvernünftige und verantwortungslose Mitglieder der Expedition mussten danach ebenso große Unmengen an Alkohol vernichten, damit gefährdeten sie natürlich die Expedition. Doch zum Glück kamen alle ohne ernsthafte Verletzungen unten an. Auf der Abfahrt hielten wir natürlich alle bei den Österreichern an, hielten eine Gedenkminute und sangen die österreichische Nationalhymne.

Da man seine Ziele immer höher stecken muss, versuchen wir nächstes Jahr auch auf unsere Kleidung zu verzichten und uns jeweils einen Österreicher auf die Schulter zu setzen.
(Fajoga)
Aufstieg_zur_Gaisalpe_Basti_web.jpgAufstieg_zur_Gletschspalte_-_mehrere_web.jpgVor_der_Abfahrt_web.jpg
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